Was: Umsetzungsideen werden noch gesucht. Anregungen erwünscht!
Wann: Realisierung voraussichtl. am Tag der Wiedervereinigung, 3. Oktober 2010
Wo: noch unklar
Wer: Bürger.Courage
Hintergrund
Es ist eine durchaus weit verbreitete Wahrnehmung im Osten, das Übel des Rechtsextremsismus habe 1990 seinen Anfang gefunden, quasi als Import aus dem kapitalistischen System. Schnell begegnet man der Behauptung, mit dem Rechtsextremismus wäre es deshalb so schlimm geworden, weil es den Leuten nach der Wende sozial schlechter gehe als in der DDR. Dass es aber auch in der selbsternannten antifaschistischen DDR schon vor 1990 rechtstextreme Strukturen und Denkweisen gab, dass insbesondere Rassismus nicht als genuines Problem des Kapitalismus zu verstehen ist, kann belegt werden.
"...ist doch nicht böse gemeint!" Bürger.Courage will mit Dresdner Schülerinnen und Schülern eine „Spurensuche“ darüber beginnen, wie Gastarbeiter zu DDR-Zeiten in Dresden aufgenommen wurden, wie und wo sie gelebt haben, ob sie neben offizieller „Völkerfreundschaft“ auf Ablehnung stießen. Dass es auch in der „antifaschistischen“ DDR Alltagsrassismus gab, scheint in der Tat kaum im öffentlichen Bewusstsein präsent. Der Alltagsrassismus in der DDR wirkt aber bis heute nach. So scheint es vielen Dresdnerinnen und Dresdnern nach wie vor nicht geläufig, dass asiatisch aussehende Menschen keineswegs “Fidschis“ sind, und auch nicht so tituliert werden möchten, weil sie sich dadurch diskriminiert fühlen. Tatsächlich kann man der Rechtfertigung, die Bezeichnung als "Fidschi" sei doch nicht böse gemeint, in den meisten Fällen Glauben schenken. Aber genau das trifft den Kern des Alltagsrassismus: Er ist meist weder böswillig noch ideologisch motiviert, und dennoch ist er, wenn auch nicht intendiert, diskriminierend und verletzend für die Betroffenen.
Dieses Projekt will nicht zuletzt vor dem Hintergrund des zwanzigjährigen Jubiläums der Wende die Frage stellen, wie es in den 1980er Jahren - also in den letzten Tagen des "real existierenden Sozialismus" in Dresden und Umgebung mit dem Problem des Rechtsextremismus aussah. Unter anderem ist geplant, Rechtsextremismus im Dynamostadion der 1980er Jahre zu untersuchen.