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Aktion »18 Stiche« (2010)

 

 

Projektbeschreibung

Bürger.Courage und der Künstler Johannes Köhler errichteten am 1. Juli 2010, dem ersten Todestag der am Dresdner Landgericht ermordeten Marwa El-Sherbini, das erste von insgesamt 18 stilisierten Betonmessern vor dem Gebäude des Landgerichts. Am Ende der Aktion sollten 18 aus Beton gegossene Messer an verschiedenen Orten der Stadt stehen. Einige der Installationen wurden umgeworfen oder mit rechten Symbolen beschmiert, befestigte Infotafeln wurden zerstört oder entwendet. Andererseits gab es auch viele positive Reaktionen auf das Projekt, ein überwältigendes mediales Echo und vor allem Unterstützung durch Dresdner Unternehmen und Privatpersonen.

Bürger.Courage wollte mit der Aktion »18 Stiche« zeigen, dass der Mord an Marwa nur der traurige Höhepunkt von vielen, alltäglichen rassistischen und fremdenfeindlichen Übergriffen ist. Die 18 in Beton gegossenen Messer symbolisierten die unzähligen kleinen »Stiche«, die viele Minderheiten in Deutschland tagtäglich psychisch oder physisch ertragen müssen - durch Vorurteile oder gar Hass gegenüber AusländerInnen, Homosexuellen, MuslimInnen bzw. anderen Religionsgruppen oder auch gegenüber alternativen Lebensweisen. Die 18 stilisierten Betonmesser richteten sich sowohl an die BürgerInnen unserer Stadt, deren BesucherInnen, als auch an die politischen EntscheidungsträgerInnen. Daher wurden sie einerseits vor öffentlichen Institutionen und andererseits an typischen Erholungsorten und Flaniermeilen Dresdens installiert. Sie sollten erinnern, mahnen und ein Stück weit das Nachdenken über unser Tun und Handeln provozieren.

 

Hintergrund

Die in Dresden lebende Ägypterin Marwa El Sherbini wurde während einer Strafverhandlung im Landgericht Dresden, zu der sie als Zeugin geladen war, vom Angeklagten aus einer islam- und ausländerfeindlichen Motivation heraus mit 18 Messerstichen ermordet. Der Tod der werdenden zweifachen Mutter jährt sich am 1. Juli 2010 zum ersten Mal. Daher wird es an dem Todestag Marwa El Sherbinis verschiedene Gedenkveranstaltungen in der Stadt Dresden geben.

Ist der Aktionismus nach dem Tod von Marwa El Sherbini nur eine Eintagsfliege?
Diese Frage beschäftigte die Initiatoren der Aktion: Ist die Trauer und der Aktionismus nach dem tragischen Mord nur eine  Eintagsfliege oder nimmt die Stadt auch darüber hinaus den Kampf gegen Alltagsrassismus auf und verbessert die Bedingungen für Menschen mit Migrationshintergrund? Ein seit Jahren diskutiertes Integrationskonzept kommt erst langsam in der Stadtverwaltung an. Dringende Beratungsangebote für MigrantInnen sind nicht langfristig gesichert, eine notwendige Ausweitung nicht vorgesehen. Es scheint auch so, dass oft zwischen ‚nützlichen‘ und ‚nicht nützlichen‘ Migrantinnen und Migranten unterschieden wird. Es sollte für die Behandlung von Menschen in unserer Stadt aber nicht maßgeblich sein, inwiefern sie unserer Wirtschaft und Wissenschaft nutzen. Wenn Menschen aus ihrer Heimat flüchten müssen, weil sie sich bedroht fühlen, ist es vollkommen egal, ob sie einen Doktortitel haben oder nicht.
    

Aufkleberaktion - Unterstützen Sie die Aktion!

Die Orte

Orte der Aktion 18 Stiche    Hier finden Sie alle Orte der Aktion auf einer Google-Karte.



 

einige Aufstellungsorte:

  1. Landgericht Dresden ("Messer" wurde aufgestellt)

  2. Theaterplatz vor dem Eingang der Semperoper ("Messer" wurde aufgestellt)

  3. Altmarkt, auf dem Strietzelmarktgelände ("Messer" wurde aufgestellt, dann von Unbekannten beschädigt und umgeworfen)

  4. Hauptbahnhof, vor dem Hauptportal ("Messer" wurde aufgestellt, dann von Unbekannten beschädigt und umgeworfen; Wiederaufbau wegen großer Nachfrage am 4. August)

  5. Postplatz, vor dem Schauspielhaus ("Messer" wurde aufgestellt)

  6. Neues Rathaus Dresden ("Messer" wurde aufgestellt, dann von Unbekannten beschädigt und umgeworfen)

  7. Bahnhof Neustadt, auf dem Schlesischen Platz vor dem Hauptportal ("Messer" wurde aufgestellt, dann von Unbekannten beschädigt und umgeworfen)

  8. Hauptstraße, vor dem Eingang Fußgängerzone, in der Nähe des Gomondaidenkmals ("Messer" wurde aufgestellt, dann von Unbekannten beschädigt und umgeworfen)

  9. Hauptstraße, am Goldenen Reiter ("Messer" wurde aufgestellt)

  10. Prager Straße, vor den "Pusteblumen"-Springbrunnen ("Messer" wurde aufgestellt, dann von Unbekannten beschädigt und umgeworfen)

  11. Martin-Luther-Platz (Genehmigung sogar bis 01.09.2010 erteilt, "Messer" wurde aufgestellt)

  12. Schillerplatz (Genehmigung erteilt, "Messer" wurde aufgestellt)


Keine Genehmigungen erhalten für:

  1. Brühlsche Terrasse

  2. Neumarkt, vor dem Eingang der Frauenkirche

  3. Sächsische Staatskanzlei

  4. Polizeidirektion Dresden, Verkehrsinsel Wilsdrufferstraße Ecke Landhausstraße

  5. Sächsischer Landtag

  6. Elbwiesen, auf eiknen betonierten Platz Nähe des "Bilderrahmens" des "Canalletto-Blicks

  7. Alaunplatz oder Alaunpark

Erst nach Projektende genehmigte Orte:
  1. Platz vor dem Hörsaalzentrum der TUD

  2. Vor Haupteingang der SLUB

Für die nicht genehmigten Orte sind wir bemüht, Alternativen zu finden.

 

 

Fotos der Aktion


 

   
     
       
       
       
       
       
       
       
       


Bürger.Courage beendet die Aktion "18 Stiche" und zieht positive Bilanz

 

Mit der Aktion "18 Stiche" des Künstlers Johannes Köhler wollte Bürger.Courage auf den teils offenen, teils latenten Rassismus und die Fremdenfeindlichkeit aufmerksam machen, denen viele Menschen nicht nur in Dresden ausgesetzt sind. Ursprünglich war "18 Stiche" nur für drei Wochen geplant, wurde im Zuge der breiten Resonanz aber auf sechs Wochen verlängert. Im Verlauf der Aktion wurde die Installation, bestehend aus 18 Betonmessern an zentralen Orten Dresdens, zum Stadtgespräch und erfuhr ein breites Medienecho.

Es gab weiten Zuspruch und Unterstützung: Dresdner Unternehmen sponsorten das Material für die Betonmesser und halfen bei Transport, Auf- und Abbau. Viele Personen spendeten und richtende ermutigende Worte an den Verein. So wurde "18 Stiche" zu einem echten Stadtprojekt. Gleichzeitig erhielt Bürger.Courage aber auch ablehnende Zuschriften, sogar rassistische Beschimpfungen und Morddrohungen. Einige der Betonmesser wurden teilweise zerstört.

Bürger.Courage fordert eine tiefer gehende Debatte über Rassismus, Fremdenfeindlichkeit und Diskriminierung von Minderheiten. Dieser sollten sich alle Verantwortlichen in dieser Stadt und alle Mitbürger Dresdens stellen.

Bis zum Abbau der Betonmesser verteilte Bürger.Courage Aufkleber, mit denen gegen das Umwerfen der Messer-Skulpturen protestiert werden konnte. Viele Menschen konnten so ihren eigenen eigenen Protest gegen Alltagsrassismus und die mutwillige Zerstörung der Betomesser zeigen.

 





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zuletzt aktualisiert: 23.09.2015