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Unsichtbare Regeln (2013)

Alltagsrassismus-Projekt: "Unsichtbare Regeln"

 

23.08.:                            Theater-Platz
24./25.08.:                      Hechtfest
25.-29.08.:                     Gomondai-Platz
29.08. - 03.09.:             Großer Garten
03.-07.09.:                     Postplatz
07.-11.09.:                     Schillerplatz

13.-16.09.:                     Bahnhof Mitte

 

 

Was soll dieses absurde Projekt? Warum werden Dresdnerinnen und Dresdner gewarnt, nicht auf Stadtfeste zu gehen oder nicht in Straßenbahn zu fahren? Warum soll man sich gar vor dem Großen Garten oder alten Männern mit Rollatoren hüten?

 

Leider ist das Projekt gar nicht absurd und schon gar nicht witzig. Spricht man mit Menschen mit anderer Hautfarbe oder Migrationshintergrund, so erfährt man in der Regel eines: Sie alle haben in unserem Dresden zwar viele schöne Erlebnisse gehabt. 

 

Sie alle haben aber auch rassistische Beleidigungen, Angriffe oder zutiefst entwürdigende Situationen erlebt. Einige Beispiele erzählen kleine Informationstafeln auf dem Auto.

Wir wissen: Die Mehrheit der Dresdnerinnen und Dresdner ist nicht rassistisch. Sie bekommen den  täglichen Rassismus nicht mit, weil sie selbst weiße Hautfarbe haben; weil Medien darüber nur selten berichten oder weil sie keine Menschen mit Migrationshintergrund kennen, die über ihre Erlebnisse und Erfahrungen berichten. 

 

Wir wissen aber auch: Es gibt Rassisten in Dresden. Eine Studie der Stadt Dresden besagt, 10 bis 15 Prozent haben rassistische und menschenfeindliche Einstellungen. Oft haben Menschen auch recht einfache Vorurteile und behandeln Menschen dementsprechend.

Rassismus kann jeden und überall erwischen. Kleine Mädchen und Jungs, Frauen, Männer. Im Großen Garten, an der Supermarktkasse oder am Getränke-Rückgabeautomaten, in jedem Stadtteil und auf jeder Straße. Das haben wir in unseren Gesprächen mit Betroffenen schnell gelernt. Und die Berichte haben uns oft schockiert.

 

Viele Dresdner mit Migrationshintergrund oder auch Ausländer, die hier leben, arbeiten oder studieren, geben sich daher UNSICHTBARE REGELN in ihrem Alltag: Sie gehen nicht an bestimmte Orte in der Stadt zu bestimmten Zeiten; sie blicken jungen Männern nicht in die Augen, aus Angst, diese könnten sie angreifen; treffen sie Gruppen junger Männer und Frauen wechseln sie die Straßenseite; sie meiden Stadtfeste und Straßenbahnen. Polizei und Ämtern gehen sie aus dem Weg, weil sie hier oft wie Menschen dritter Klasse behandelt werden.  

 

Eine Studie unserer Dresdner Universität aus dem Jahr 2009 ergab, dass allein aus dem Kreis der ausländischen Studierenden 30 Prozent eigene Erfahrungen mit Rassismus und Ausländerfeindlichkeit machen mussten. „Dies“, so die Studie, „betrifft Personen umso mehr, je offensichtlicher ihre fremdländische Herkunft ist“.

 

Zwei Tatsachen stellen wir als Teil der Dresdner Bürgerinnen und Bürger fest: 

Keiner der weißen Mehrheitsbevölkerung würde eine solche Einschränkung der eigenen Freiheit aushalten wollen. 

 

Es ist unserer Kulturstadt unwürdig, dass Menschen so behandelt werden. Das Projekt soll dies auf künstlerische und provokative Art offenlegen.

 

Zusammenfassung:

 

Inhalt:

Der Anstoß zu diesem Projekt erfolgte durch einen jungen Vater, der sich seit September im Verein engagiert: Als Vater eines farbigen Kindes konnte er die alltäglichen Beleidigungen und Ressentiments gegenüber seinem Kind nicht mehr ertragen und will sich nun engagieren. Diese Geschichte bestätigt die Erfahrungen des Vereins und den Berichten der Opferberatung: Zwar ist nur eine Minderheit der Dresdener wirklich rassistisch. Gleichwohl haben sehr große Gruppen in der Bevölkerung enorme Vorurteile oder leiden einfach an einem Mangel an interkultureller Kompetenz. Als besonders einschränkend wird von Betroffenen immer wieder ihre eingeschränkte Bewegungsfreiheit geschildert: man muss an bestimmten Orten zu bestimmten Zeiten in bestimmen Momenten als Schwarzer vorsichtig bewegen, will man nicht Opfer einer schweren Beleidigung oder gar verletzt werden.

 

Was sind die Ziele und wer die Zielgruppe?

Ziel des Projekts ist es, die Mehrheitsbevölkerung, die solche Beleidigungen und Gewalttaten ablehnt, vor Augen zu führen, welchen Freiheitsbeschränkungen Menschen anderer Hautfarbe teilweise ausgeliefert sind. Konfrontiert man nämlich Menschen in Dresden mit einem solchen Alltag, so wissen diese das gar nicht, weil sie keine Erfahrungen haben und meist auch niemanden kennen, der solchen rassistischen Beleidigungen ausgesetzt ist. 

Ein Kunstprojekt soll daher die Situation der Betroffenen „erfahrbar“ machen. Über Lautsprecher- und Tafel-Installationen werden „Regeln“ verkündet, an welche sich die Passanten zu halten hätten. Diese informellen „Regeln“ werden zuvor zusammen mit Menschen mit Migrationshintergrund anhand realer Erfahrungen erarbeitet und anschließend abstrahiert. Natürlich werden sich die Passanten die Frage stellen, „warum soll ich Regel x und y bitte befolgen? Das ist doch bitte meine Sache“ und sich voll Neugierde oder provoziert die Installation genauer anschauen. Auf Tafeln wird dann der Hintergrund aufgelöst, dass sich aufgrund einer Minderheit Menschen in unserer Stadt nicht völlig „frei“ bewegen können.

Flankiert wird die Aktion mit einem Kino-Spot, der als Dokumentar-Kurzfilm angelegt ist sowie mit einer Postkartenaktion „Wo fängt Rassismus an“.

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zuletzt aktualisiert: 04.12.2014